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Ob sie die "Letzten ihrer Art" sind, wie der Titel ihres Bühnenprogramms suggeriert, weiß man nicht so genau. Auf jeden Fall sind die vier Musiker eine ganz besondere Truppe im deutschen Bühnengewerbe.

Einmal gehört, bekommt man die Herren aus dem westmittelfränkischen Dietenhofen, die unter dem gänzlich unfränkischen Namen "Gankino Circus" firmieren, so schnell nicht wieder aus den Gehörgängen heraus.

Nachdem sie bereits vor drei Jahren im Programm des Hessischen Kabarettpreises erstmals in Herborn für Furore gesorgt hatten, war auch ihr zweiter Auftritt am Donnerstagabend in der "KulturScheune" ganz nach dem Geschmack des begeistert mitgehenden Publikums. Schließlich bekommt man im Kleinkunstzirkus nur noch selten eine so herrlich furiose, kuriose und zum Schießen komische Musik-Show geboten.

Dietenhofen hat zwar keine Bushaltestelle, dafür aber dieses schräg-geniale Quartett, das ganz schön viel rumkommt in der Welt, um ihr zu zeigen, dass es in Deutschland mehr gibt als nur untalentierte Popsternchen und von Humor befreite Comedians.

Diesen setzt "Gankino Circus" einen brillanten, aberwitzig unterhaltsamen und virtuosen Mix aus Weltmusik und lebensnahem, kabarettistischem Spektakel entgegen, in dessen Mittelpunkt das von schrägen Figuren bevölkerte Dietenhofen steht.

Ralf Wieland (Gitarre), Simon Schorndanner (Saxofon), Maximilian Eder (Akkordeon) sowie Johannes Sens (Schlagzeug und Trompete) kennen sich bereits aus Kindheitstagen, waren zusammen in der Schule und haben in derselben Blaskapelle gespielt. Heute bilden sie ein Ensemble, das sich mit großer Lust die Hände wundspielt ("da schwitzt es sich beim Spielen leichter"). In Herborn haben die vier besonders viel Spaß: "Vor so vielen netten Leuten spielen wir nochmal so gern", bekunden sie und lassen bei ihrem virtuosen Mix aus Volksmusik, Klezmer und Rock'n'Roll am Ende kein Auge trocken.

In ihren Geschichten lassen die Jungs vom "Gankino Circus", die ihren Namen von einem bulgarischen Volkstanz ableiten, der im 11/8-Takt gespielt wird, beispielsweise "Weizen-Charly" hochleben. Der ist an einem Glas zu viel erstickt und war als Wirt des Lokals "Zur heiligen Gans" eine Dietenhofener Institution. Immerhin leben seine Knochen als "Bonofon" auf der Bühne fort.

Die Hommage an ihre Heimat ist so absurd komisch, dass man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll. Unangepasst ist einfach alles, was sie tun. Ob Beerdigungsmusik, mit der sie an frühere Zeiten ebenso erinnern wie bei ihrem mit Rap-Einlagen gewürzten Parforceritt durch die fränkische Spielart des Rock'n'Roll. Ob gesungen, gezupft, getrommelt oder geblasen - oder mit einen mit Bohrmaschine gespielten griechischen Tanz: Der Heimatsound des "Gankino Circus" strotzt vor Spielfreude, rasanten Melodien, einzigartigem Humor und schräg-genialen Einfällen.

Am Ende stimmten sich das Quartett und das Publikum mit einem sanften Volksliedklassiker auf die kommende Nachtruhe ein. Wie wäre man auch sonst nach diesem herrlich-verrückten Spektakel wieder heruntergekommen
(Fotos: Gert Fabritius)

 

 

 

 
Autor
Helmut Blecher

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Helmut Blecher ist freier Autor und Fotograf. Der Dillenburger berichtet seit Jahren über das kulturelle Geschehen vornehmlich an Lahn und Dill und hat bereits Auftrittskritiken für zahlreiche Künstler in der KuSch geschrieben.
 

 

 

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